Artikel
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Werner Kahl: Geisterfahrung als Empowerment. Transformationsprozesse innerhalb der weltweiten Pfingstbewegung mit einem Fokus auf Westafrika → English Summary
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Peter Zimmerling: Pfingstlich-charismatische Theologie im Spiegel neuerer Veröffentlichungen. Eine Bereicherung aktueller theologischer Diskurse → English Summary
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Bernhard Olpen: Pfingstkirchliche Frömmigkeit und ihre Praxis im Wandel → English Summary
Predigtwerkstatt
- Winfried Glatz: Bitter-Süß oder Lady in Black. Predigt über Rut 1
- Kommentar zur Predigt von Winfried Glatz (Ulrich Ahrens)
Zum Inhalt
Seit den Anfängen ihrer Geschichte wird die christliche Kirche durch charismatische Strömungen herausgefordert und belebt. Während die moderne, am Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene pfingstliche Bewegung über Jahrzehnte von den etablierten christlichen Kirchen ignoriert oder ausgegrenzt wurde, findet man heute ein verstärktes Bemühen um Begegnung und gegenseitige Bereicherung.
Beflügelt wird diese neue Entwicklung durch theologische, historische und soziologische Forschungsarbeiten, die z.B. die kontextuelle Flexibilität und Relevanz der verschiedenen pfingstkirchlichen Bewegungen herausstellen. Darüber hinaus legen immer mehr Pfingstkirchen zunehmend großen Wert auf theologische Bildung und Sprachfähigkeit ihrer Leiter. Angesichts dieser Veränderungen geht der Ökumenische Rat der Kirchen schon seit vielen Jahren auf Pfingstkirchen weltweit zu und sucht den Dialog. Man kann von pfingstkirchlicher Theologie du Frömmigkeit nicht nur etwas in Bezug auf die Emotionalität des Glaubens lernen, sondern zum Beispiel auch im Hinblick darauf, wie man kontextuell Kirche entwickelt und Menschen in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Glauben stärkt. Dazu wollen die Beiträge in diesem Heft anregen.
In seinem Aufsatz „Geisterfahrung als Empowerment“ stellt Prof. Dr. WERNER KAHL, Studienleiter an der Missionsakademie an der Universität Hamburg und Lehrbeauftragter für Neues Testament an der Goethe-Universität Frankfurt, die wichtigsten Entwicklungen der Pfingstbewegung seit ihrem Entstehen zusammen und thematisiert die aktuellen Transformationsprozesse in den Pfingstkirchen, vor allem im Blick auf Ghana.
Prof. Dr. PETER ZIMMERLING, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, sichtet und kommentiert in seinem Beitrag neuere Forschungsarbeiten im Umfeld charismatischer und pfingstkirchlicher Bewegungen. Dass auch nichttheologische Forscher sich mit dem Thema beschäftigen, zeigt die gesellschaftliche Relevanz dieser Gruppen und ihrer Spiritualität.
Dem folgt dokumentarisch eine Selbstdarstellung von Dr. BERNHARD OPLEN, Pastor des Christlichen Zentrums Düsseldorf und Vorstandsmitglied des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland. In seinem Aufsatz bringt er die Spiritualität der Pfingstkirchen in eine Linie mit protestantischer Theologie und verweist auf grundsätzliche Veränderungen in vielen Pfingstkirchen hin zu missionalen Gemeindeformen, die nur schwer mit den pfingstlichen Ursprungsimpulsen am Anfang des 20. Jahrhunderts in Übereinstimmung zu bringen sind.
Der Predigtwerkstatt in diesem Heft liegt eine Erzähl-Predigt über Ruth 1 von WINFRIED GLATZ, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Pankow, zugrunde. Kurz kommentiert wird die Predigt von Pastor i.R. ULRICH AHRENS aus der Freien evangelischen Gemeinde Solingen.
Michael Kißkalt (Schriftleitung)
Summaries
Werner Kahl: Geisterfahrung als Empowerment. Transformationsprozesse innerhalb der weltweiten Pfingstbewegung mit einem Fokus auf Westafrika: The emergence and development of the Pentecostal movement are depicted with an emphasis on church in West Africa. There the traditional fears of demonic powers are set against power of the Holy Spirit. The expectation of miracles and also material blessing in the lives of the faithful are also in focus. During the last few years a turning towards a stronger theological reflection has been perceptible.The impulses accruing from the Azusa Street Church in Los Angeles have brought forth in the last 100 years a large number of churches in the the USA and have influenced other churches (e. g. the Roman Catholic Church). In Germany the dealings of the various denominations, in particular of the free churches, with the pentecostal fellowships was characterised until 1996 by the dissociating form of the „Berlin Declaration“ of 1909.Peter Zimmerling: Pfingstlich-charismatische Theologie im Spiegel neuerer Veröffentlichungen. Eine Bereicherung aktueller theologischer Diskurse: Based on a detailed study of literature on the Pentecostal-charismatic movement (with an emphasis on the German-speaking regions, in particular on churches with a strong immigration background) the following phenomena have been identified: A Pentecostalcharismatic theology has arisen following a period of rejection of theological reflection. This is dominated by authors from North America and Europe, although the centres of the movement are located in Africa, Asia and Latin America.
Pentecostal-charismatic immigrant churches are multifaceted and are largely isolated from one another and from the established Christian gatherings in Germany. Using the example of the Sinti-Roma congregations it can be shown that membership of a Pentecostal-charismatic church supports the growth of a cultural identity. Within other Christian groups like the Roman Catholic Church and the Evangelical Alliance a growing acceptance of the Pentecostal-charismatic movement can be observed.
Bernhard Olpen: Pfingstkirchliche Frömmigkeit und ihre Praxis im Wandel: Pentecostal piety has many expressions, as global forms of Pentecostal faith exist in new and traditional denominations and differing cultural environments. Common to these forms is that salvation and knowledge of God are not primarily based on priestly mediation or on the foundation of the bible, but rather sought in personal experience. Church worship services function to convey such experiences. This is typically characterized by a procedure (which some criticize as being manipulative) that intends to lead, step by step, into the presence of God. This is facilitated in particular by the choice and sequence of worship songs and a ministry time, in which spiritual services are offered under the leadership of the preacher for specific groups that may have been chosen by means of prophetic utterances. Besides this, other ecstatic manners of behaviour can occur.