Aufsätze
- Hans Riphagen: Jesus, You Are My King. Eine Analyse vorherrschender Glaubensnarrative in modernen Anbetungsliedern → English Summary
- Martin Buchholz: Was (freikirchliche) Christen singen. Wahrnehmungen eines Liedermachers → English Summary
- Jan Primke: Was die Zukunft eint, ist ihre Vielseitigkeit. Eine Betrachtung der heutigen Worshipmusik- und Anbetungsszene aus der Sicht eines 35jährigen Musikers → English Summary
Predigtwerkstatt
- Joachim Gnep: „Siehst du diese Frau?“ Predigt über Lukas 7,36-50
- Kommentar zur Predigt von Joachim Gnep (Philipp Herrmannsdörfer)
Zum Inhalt
Zu einem lebendigen christlichen Glauben gehören sowohl die theologische Reflexion als auch der Gottesdienst mit seinen affektiven Elementen wie z.B. dem gottesdienstlichen Gesang. Bei den alten Kirchenliedern, die man auf einer Gesangsbuchseite vor Augen hat, fällt einem der theologische Gehalt sehr schnell auf, nicht zuletzt wegen ihrer alten Sprachformen.
Bei den neueren christlichen Liedern kann man den theologischen Gehalt nicht so leicht erfassen, denn sie erscheinen meist ncit als komplettes Lied, sondern nur zeilenweise auf der Leinwand. Außerdem sind die modernen Anbetungslieder oft recht kurzlebig. Dennoch transportieren diese Lieder theologische Inhalte, die man als Christ bei Singen in sich aufnimmt. Dementsprechend kann christliche Musik die Vernunft und die Emotion der Menschen lenken: im negativen Sinne einengen oder auch positiv weiten. Den Verantwortlichen in den Kirchen und Gemeinden obliegt die Aufgabe, auf eine Ausgewogenheit der theologischen Botschaft der Anbetungslieder im Gottesdienst zu achten. Darum lohnt es sich, Musik und Theologie zusammen zu denken. Diesem Desiderat versucht diese Ausgabe des THEOLOGISCHEN GESPRÄCH nachzukommen, indem sie die musiktheologische Forschungsarbeit eines holländischen Theologen in deutscher Übersetzung veröffentlicht und diesem Aufsatz die Reflexionen von zwei christlichen Musikern zur Seite stellt.
In seinem Aufsatz analysiert HANS RIPHAGEN, Missionssekretär des niederländischen Baptistenbundes und Doktorand an der Vrije Universiteit Amsterdam, die im Jahr 2012 fünfzig beliebtesten Anbetungslieder in den USA hinsichtlich theologischen Inhalte. Auch für den deutschen Kontext sechs Jahre später sind seine Wahrnehmungen sehr relevant. Die Analysen schärfen den Blick für das in den Gemeinden heute gebräuchliche Liedgut und ermutigen dazu, für die Auswahl der Lieder im Gottesdienst auch theologische Gesichtspunkte geltend zu machen.
Wie sich das christliche Liedgut besonders in den deutschen Freikirchen in den letzten Jahrzehnten verändert hat und welche theologischen Verschiebungen hier zu beobachten sind, stellt der Liedermacher und Journalist MARTIN BUCHHOLZ dar. JAN PRIMKE, ebenfalls in der christlichen Szene als Musiker unterwegs, führt ein in die verschiedenen Vernetzungen und Strukturen des christlichen Musikbetriebs, wie sie sich im deutschen Raum in den letzten Jahren entwickelt haben, und ermutigt zum Dialog über Musikvorlieben in den Gemeinden.
Die Predigtwerkstatt bietet eine Predigt von JOACHIM GNEP, Leiter des Dienstbereichs Mission im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, zu der Geschichte der Salbung Jesu durch die Sünderin (Lk. 7,36-50). Den Kommentar dazu liefert PHILIPP HERRMANNSDÖRFER, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Düsseldorf.
Zum Schluss noch der wichtige Hinweis, dass das THEOLOGISCHE GESPRÄCH beim Oncken-Verlag zu einem reduzierten Preis auch digital als PDF bezogen werden kann.
Michael Kißkalt (Schriftleitung)
Summaries
Hans Riphagen: Jesus, You Are My King. Eine Analyse vorherrschender Glaubensnarrative in modernen Anbetungsliedern: After a short introduction into the origins of modern worship music, from the Methodist revival to the charismatic renewal, the texts of the fifty most popular worship songs in the USA in 2012, according to the CCLI, are subjected to a textual analysis. The investigation treats the texts as “fragments of narratives”. Frequently occurring derived narratives are the individual encounter with God, particularly in the person of Jesus Christ, and reflections on God. Often the person of the worshipper is in focus, so that the praxis of worship becomes a theme. Root metaphors with special significance are Kingdom, light / darkness, and three metaphorical interpretations of the cross: salvation, ransom and sacrifice. In all this, the author recognizes theological unilateral tendencies which should be corrected through a balanced choice of worships songs by the churches.Martin Buchholz: Was (freikirchliche) Christen singen. Wahrnehmungen eines Liedermachers:The author, who is a theologian, journalist and song writer, gives an autobiographical overview of his own encounters with Christian songs of differing origins. He experienced as formative the singing of old hymns, Christian youth songs, revival songs, Christian pop songs as well as modern worship songs. Significant thereby were the manifold spiritual and pedagogical orientations. The changed economic conditions of music production has affected Christian music too (downloads and streaming), so that publishers are less willing to finance productions in advance. The long term effects of this are not yet clear. Church congregations should strive for a reconciled variety in their musical repertoire. Narcissistically oriented texts of the nature of a feel-good gospel are nevertheless problematic.
Jan Primke: Was die Zukunft eint, ist ihre Vielseitigkeit. Eine Betrachtung der heutigen Worshipmusik- und Anbetungsszene aus der Sicht eines 35jährigen Musikers: The author gives a very personal insight in the current modern German Christian music scene. Social networks, inexpensive technology, and the possibilities of digital distribution are conducive to the formation of many Christian bands, whereby the general public is becoming increasingly aware of such bands. Fine opportunities for young musicians to acquire a musical education are nurturing this development. The author presents some of these initiatives. Tensions arising from differing expectations in music styles can often be reduced through dialogue. Songs by secular artists can also find a place in congregational worship, as these often have spiritual and inter-personal themes.