Aufsätze
- Gert J. Steyn: „Damit das Evangelium gepredigt würde“. Martin Luther unnd die Philoxenia-Forderung des Paulus in Römer 12,13 → English Summary
- Andrea Klimt: Luthers Kleiner Katechismus und die Anfänge des baptistischen Gemeindeunterrichts → English Summary
Predigtwerkstatt
- Udo Rehmann: Gott als Heimatgeber. Predigt über Johannes 14, 1-3
- Kommentar zur Predigt von Udo Rehmann (Alexander Gimbel)
Zum Inhalt
Die evangelische Christenheit feiert in diesem Jahr 500 Jahre Reformation. Auch für die evangelischen Freikirchen it das Gedanken an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren ein bedeutsames Datum, denn sie verstehen sich als erben der Reformation und als eigenständige Ausprägung des evangelischen Christentums. Darum liegt es nahe, dass auch das THEOLOGISCHE GESPRÄCH sich diesem Thema widmet und zwar besonders aus freikirchlicher Perspektive.
Die Bibel als Wort Gottes spielt für die Entstehung und die Existenz der evangelischen Freikirchen eine zentrale Rolle. In dieser Ausgabe wird das Thema der Heiligen Schrift mit der Hermeneutik Martin Luthers verbunden, zuerst im Blick auf Luthers Auslegung von Römer 12,13 und dann in Hinsicht auf Luthers Ansatz des Erlernens der biblischen Aussagen am Beispiel seines Kleinen Katechismus. Zwei Aufsätze machen deutlich, wie sich freikirchliche Theologie und Praxis in einer kritisch konstruktiven Auseinandersetzung mit den reformatorischen Impulsen entwickeln.
Einen Bezug zu aktuellen Herausforderungen wählt Prof. Dr. GERT STEYN, seit März 2017 Professor für Neues Testament an der Theologischen Hochschule Ewersbach, wenn er Luthers Auslegung der „Gastfreundschaft“ (Röm 12,13) als „Feindesliebe“ mit modernen exegetischen Erkenntnissen verbindet. Besonders wichtig ist Steyn das exegetisch gebotene aktive Gewähren von Gastfreundschaft, auch im Blick auf die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind.
Von Luthers Kleinem Katechismus herkommend thematisiert Prof. Dr. ANDREA KLIMT, Professorin für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal, das Ringen der Baptisten in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Frage, inwiefern es in den neu entstandenen Baptistengemeinden eine Art Glaubenskatechismus geben sollte. Einerseits erkannte man den Wert eines „Katechismus“ für die Glaubensbildung, andererseits sah man zentrale Werte der eigene Glaubensüberzeugung, wie die Autonomie der Ortsgemeinde, die Mündigkeit des einzelnen Christen, die Religionsfreiheit und die absolute Stellung der Heiligen Schrift in Gefahr. Die pädagogischen Notwendigkeiten haben dann doch dazu geführt, dass zunächst ein „Leitfaden“ und damit auch eine Art Katechismus für den Religionsunterricht entwickelt wurde.
Wie Glaubensinhalte für die heutige Jugend gepredigt werden können, zeigt die Predigt über „Gott als Heimatgeber“ (Joh 14,1-3) von UDO REHMANN, Leiter des Gemeindejugendwerkes des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, bei der Eröffnung des Bundesjugendtreffens in Otterndorf im Juli 2016. Kommentiert wird die Predigt von ALEXANDER GIMBEL, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Markt Schwaben.
So versteht sich diese Ausgabe des THEOLOGISCHEN GESPRÄCHS als Einladung zum dankbaren, konstruktiven und kritischen Gedenken von 500 Jahren Reformation.
Michael Kißkalt (Schriftleitung)
Summaries
Gert J. Steyn: „Damit das Evangelium gepredigt würde“. Martin Luther unnd die Philoxenia-Forderung des Paulus in Römer 12,13: Paul urges the church in Rom 12:13 to practise φιλοξενία. This summons is illuminated in the areas of history of research, literature and social historically. Furthermore an application concerning the current challenge posed by refugees is evaluated and Luther’s view of hospitality as a biblical command is presented. In the early Christian literature, there is in common with the Jesus tradition a revitalisation of the Greek-Roman and Jewish ethic of hospitality, which was expected to be practised intensively; a requirement, which corresponded to Jesus’ commission, carried the possibility of transcendent visits, signified the fulfilling of the law, and promoted mission and the solidarity of the church. A direct application with respect to the refugee situation is not possible; nevertheless hatred of foreigners is to be rejected.Andrea Klimt: Luthers Kleiner Katechismus und die Anfänge des baptistischen Gemeindeunterrichts: The reason for Luther’s Smaller Catechism was his observation of a limited knowledge of the faith, which he ascribed to a want of easily understandable instructional material. The catechism served primarily the instruction of believers but also towards guaranteeing theological unity. Among the early German Baptists, the introduction of uniform teaching material with a potential confessional character was controversial. This has still not changed. While the necessity of a comprehensive Christian instruction was never questioned, there were always objections to resolutions regarding the necessary teaching materials, as to whether such unifying texts might restrict the autonomy of the local church or the freedom of conscience of the individual on the one hand, or on the other hand would weaken the standing of the bible. For good reasons instructional material was offered, without this being understood as being a catechism.